April 26, 2021

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Die Gedanken, sie überkommen mich: Die Erde will es wissen. Sie will uns wissen. Wir sie. Das Leben reckt und streckt sich ins All hinaus. Die Erde will von sich fort. Nicht fliehen. Wachsen. Über sich hinaus.

Es ist schon faszinierend zu sehen, wie wir die ganze Zeit davon reden, dass der Mensch sich von der Natur entfernt hat. Wie soll das gehen? Glauben wir wirklich, dass wir irgendetwas auf diesem Planeten tun können, was nicht möglich ist? Alles was biologisch, physikalisch und chemisch möglich ist, das können wir tun. Das versuchen wir zu tun. Vieles, das wir bislang noch nicht ausprobiert oder herausgefunden haben. So viel, das wir bereits herausgefunden haben.

Wir zerstören die Umwelt? Glauben wir das wirklich? Was für eine Hybris, zu denken, wir könnten irgendetwas auf dem Planeten Erde tun, das der Planet nicht ermöglichen würde. Wir tun, was der Planet will. Wir tun, was uns der Planet ermöglicht zu tun. Ja, viele andere Lebewesen sterben. Wir vergiften Flüsse, Seen, Wälder. Rauben anderen Lebewesen ihren Lebensraum. Aber tun wir das, weil wir irgendeine Grenze überschritten haben? Tun wir etwas, was wir nicht tun dürfen? Oder tun wir die Dinge, die auf diesem Planeten möglich sind? Ja, vielleicht sogar die Dinge, die der Planet von uns verlangt zu tun?

Wir sind der Planet. Wir sind die Erde. Unser Geist, unser Denken entspringt den Bedingungen, wie sie auf dem Planeten sind. Sie entsprechen den Umständen, wie wir sie mit den Möglichkeiten des Planeten Erde erschaffen haben. Wir können nichts tun, was nicht möglich ist.

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Was ist es dann aber, das wir hier tun? Wenn Kulturen ausgerottet werden, wenn Tiere und Pflanzen sterben. Wenn wir den Planeten mit dem, was wir tun immer heißer werden lassen?
Wir tun das, weil wir bestimmte Denk- und Handlungsweisen über die letzten Jahrtausende entwickelt haben. Denk- und Handlungsweisen, die uns der Planet ermöglicht hat.

Es soll nicht klingen, wie eine Entschuldigung. Es soll nicht klingen, als ob wir nichts dafür können, dass wir töten und zerstören. Allerdings haben wir das Ausmaß unseres Handelns in seinem globalen Umfang wirklich erst seit ein paar Jahrzehnten wirklich begreifen und messen können. Die Veränderungen auf unser Handeln zurückführen können.

Oftmals wird gesagt, dass wir schon vor Jahrzehnten gewusst haben, dass wir unsere Art zu Wirtschaften ändern müssen. Club of Rome und Co. Es werden auch häufig viele Gründe genannt, warum wir es dennoch nicht getan haben: Unvermögen bis hin zur willentlichen Vereitelung durch einige wenige, die davon profitiert haben und weiterhin profitieren.

Doch alle Alternativen, die es hätte geben können, sind Fiktionen. Wir können nicht wissen, ob wir es hätten schaffen können, weil wir es nicht getan und nicht geschafft haben. Wer weiß, was alles auf dem Weg in eine bessere Welt hätte schief gehen können?

Das Leben auf dem Planeten Erde ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Vieles verhält sich am Ende doch anders, als wir denken. Vor allem, wenn wir eingreifen. Im Großen, wie im Kleinen. Was wäre gewesen, wenn wir schon vor zwanzig Jahren aus der Kohle ausgestiegen wären? Was wäre dann geschehen? Auf dem Weg dorthin? Im Anschluss?

Wir wissen es nicht. Wir können es nicht wissen. Wir haben nichts verpasst. Wir haben nichts gewonnen. Wir sind einzig und allein hier und jetzt. Dort, wo wir sind. Als Menschheit. Mit all ihren Kulturen. Mit ihren Fehlern und Schönheiten. Mit ihrer Gewalt und Sanftheit. Mit Ihren Künsten und Waffen. Mit ihren Ängsten, Hoffnungen und ihrem Wahnsinn. Ihren Absurditäten, Widersprüchlichkeiten und Unzulänglichkeiten. Mit ihrer Genialität und ihrem Unwissen.

2021. Das Jahr der Hingabe. Des Sich-Hingebens. Des Lächelns. Inmitten von Corona. Inmitten des Klimawandels. Der Planet lebt. Er ist lebendig. Wir sind lebendig. Wir leben und sterben. Sterben, um zu Leben, leben um zu Sterben.

Nein, wir haben uns nicht entfremdet. Wir haben nicht den Kontakt zur Natur verloren. Es gibt keine Natur außerhalb von uns. Wir sind die Erde. Die Erde sind wir. Wir atmen ein, was die Pflanzen ausatmen. Wir berühren, was auf dieser Kugel im All berührbar ist. Wir denken, was hier denkbar ist. Wir schmecken, was hier geschmeckt werden kann.

Was soll das überhaupt sein, eine Entfremdung vom Planeten? Weil wir Giftstoffe erzeugen? Weil wir ein massenhaftes Tier- und Pflanzensterben erzeugen? Nun, wie steht es um Vulkanausbrüche? Dürrezeiten? Um Eiszeiten? Um Fluchtbewegungen? Um all die anderen Massensterben, die auf diesem Planeten auch ohne Kometeneinschläge geschehen sind. Auch ohne Menschen. Lokal oder um den gesamten Globus herum.

Warme Winter

Der Planet atmet, er lebt, Teile von ihm sterben. Er vibriert, er eskaliert, schläft. Ruht. Erwacht. Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Tag, Nacht. Auch wenn wir uns vermeintlich davon abgekapselt haben, durch warme Kleidung, Heizungen, Wohnungen, Kühlschränke, elektrische Beleuchtung uvw. – dennoch gibt es all das noch dort draußen: Die Jahreszeiten, Tag und Nacht. Auch wenn die Winter milder werden. Es gab auch ohne uns Eiszeiten. Zeiten, ohne Jahreszeiten. Nun erzeugen wir eine Erwärmung.

Was erzeugte die Eiszeit? Was war verantwortlich für die anderen Massenausterbens? Für alles gibt es eine oder viele Erklärungen. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass es Veränderungen waren, die auf diesem Planeten möglich waren. Eine Bandbreite der Möglichkeiten. Massen an biologischem Leben. Und deren massenhafte Vernichtung.

Welche Rolle spielt nun der Mensch dabei? Eine Ausprägung der Lebensformen auf dem Planeten Erde. Ein denkendes Wesen. Handelnd. Maschinen bauend, die ganze Landstriche verändern. Die den Planeten auf vielfältige Art und Weise verändern. Aber sind wir darin wirklich so besonders? Bewegt sich der Planet nicht auch ohne uns? Haben sich nicht ganze Kontinentalplatten verschoben?

Kalte Winter, heiße Sommer. Auch vor der Menschheit, auch ohne uns. Diesmal aber ein Klimawandel. Die Verschiebung und radikale Veränderung ganzer Klima-Zonen. Durch uns. Mit uns. Ja, anscheinend wirkt der Planet diesmal durch uns. Wir sind der Planet. Wir wirken daraufhin, ein Klima zu erschaffen, was am Ende nicht lebensfreundlich für uns sein wird.

Können wir das verhindern? Können wir dieses Schicksal der Selbstverbrennung noch vermeiden? Vielleicht? Vielleicht auch nicht? Aber was wir, egal, wie es laufen wird, nicht tun sollten, ist uns irgendetwas vorzuwerfen. Noch einmal: Wir wissen nicht, was geschehen wäre, wenn wir früher irgendwas anders gemacht hätten. Welche Effekte wären eingetreten? Was wäre geschehen, mit dem wir nicht gerechnet hätten? Welche sozialen Verwerfungen? Welche ökologischen Nebenfolgen wären dann eingetreten? Wir werden es nie erfahren, können es nicht wissen. Wir haben keine Chancen verpasst. Wir sind hier. Wir sind jetzt.

Auch wenn es so scheint, dass die Menschheit eine ganz besondere Stellung auf diesem Planeten einnimmt. Sie tut es nicht. Sie wurde, was sie werden konnte. Unter den Rahmenbedingungen, die auf diesem Planeten für sie herrschten und (noch) herrschen. Die mehr oder weniger intelligenten Lebewesen „Mensch“ haben sich als Teil des Gesamtmetabolismusses Erde entwickelt. Nie separat davon. Nie getrennt davon. Nie „entfremdet“ davon. Wir Menschen sind mitten drin in dem, was wir „Evolution“ nennen. Wir reproduzieren uns mit mehr oder weniger großen genetischen Abweichungen, ernähren uns von dem, was wir auf und mit der Erde für uns produzieren und entwickeln unsere Gedanken über dieses Sein.

Ist es ein besseres Denken, ein besseres Sein, als das der anderen Lebewesen? Wer kann das schon sagen? Ist es wirklich so anders oder haben wir bislang nur die falschen Maßstäbe angesetzt? Können wir überhaupt „falsche“ Maßstäbe ansetzen?

Wer sind wir, zu sagen was „richtig“ und was „falsch“ ist, im Umgang mit der Erde? Im Umgang mit uns selbst? Wir sind die Erde. Ja, natürlich geht es uns momentan im Wesentlichen um unser Überleben. Die Angst vor dem Aussterben geht uns durch Mark und Bein. Die Gefahren sind immer offensichtlicher. Kein Trinkwasser. Zu heiß. Nicht genug zu essen. Kriege um Boden. Krankheiten.

Über uns: Der Himmel

Steht uns all das bevor, weil wir zu spät gemerkt haben, was wir falsch machen? Oder war das nicht schon immer der einzige und alleinige Kampf der Menschen? Der Kampf, der Reproduktion und des Überlebens? Was ist in diesem Zusammenhang Kunst? Was Kultur? Haben Sie uns geholfen beim Überlebenskampf, sind sie Nebenprodukte. Sind sie etwas „Höheres“?  Was soll das sein, dieses „Höhere“? Über was stehend? Wohin uns führend?

Über uns: der Himmel! Das All. Die Unendlichkeit. Vielleicht strebt das Leben auf unserem Planeten ja tatsächlich dorthin. Ins All. Wie ein Teenager, der die Tage zählt, endlich bei seinen Eltern ausziehen zu können. Und wir, die Menschen schicken uns und Teile von Gaia für Gaia in diese Unendlichkeit hinaus. Will das Leben, das denkende Leben auf diesem Planeten, mehr erfahren? Wissen? Lernen? Im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinauswachsen? Über seine planetaren Grenzen hinaus?
Dieses Wollen…Was ist das für ein Wollen?! Ist es Gier? Ist es unsere Gier oder die Gier des Planeten? Will der Planet mehr als sich? Will die Erde sich vermehren? Will sie sich selbst das Gefühl geben, bereits mehr zu sein? Konsumieren wir daher, als ob es acht Erden gibt? Ist das Gefühl des Mehr am Ende gar nicht unser Gefühl? Was, wenn wir nicht die Schädlinge, die Zerstörer, die Dummen, die Entfremdeten sind? Was, wenn wir die Vollstrecker, die Ausläufer, die formgewandelte Erde sind? In ihrem Begehren. In ihrem Sehnen? In ihrer sich selbst verschlingenden Sehnsucht nach Mehr?

Wissen wir, wonach das Leben auf diesem Planeten strebt? Warum es da ist? Woher es letztendlich genau kam? Woraus es hervor kam? Was war der Funken, der Impuls, das Gefühl, was zum Leben führte? Zum Fühlen, zum sich selbst Fühlen, zum Bewusstsein?
Aber was genau sind wir uns bewusst? Große Geister haben Phänomenologien des Geistes geschrieben. Haben das Denken, das Bewusstsein fassen wollen. In Schrift. In Gedanken. In Geist. Wie viel entgleitet uns, wenn wir uns selbst begreifen wollen? Vermutlich viel. Sehr viel. Denn wir sind nicht allein die Menschen. Wir sind die Menschen, die die Luft der Pflanzen atmen. Wir sind die Bakterien, die in und an uns leben. Woher kommen unsere Gedanken? Was können wir denken? Was nicht? Was ermöglichen uns unsere Sprachen, was nicht?

Wir erforschen all das. Und vieles mehr. Aber sind wirklich wir die Forschenden, oder die Erde? Das Leben. Was genau will das Leben mit uns und durch uns verstehen? Was treibt den Planeten mit uns um? Nichts womöglich. Reiner Selbstzweck. Allein um sich in sich selbst zu wälzen. Sich selbst zu durchwühlen, in sich selbst zu erwachen und in sich hineinzuhorchen. Sich selbst zu schmecken. Der Wille zum Wollen. Ein Trieb. Ein riesiger, planetarer Trieb. Eine Kraft, von der wir ein Teil sind. Ohne das wir wissen, was wir genau sind. Wozu wir sind. Warum wir sind. Sind wir seiend und sterbend. Biomasse, die sich selbst durchpflügt, durchmasst und fressend den Planeten ausscheidet. Giftig und düngend. Voller Leidenschaft, voller Leid, Wut, Liebe und Hass auf sich selbst. Der eigenen Fresssucht nicht gewachsen, verzehrt sich der Planet durch uns selbst.

Könnten wir wirklich anders? Müssten wir wirklich anders? Ja, es sind nicht „die“ Menschen, die diese massiven Umwälzungen vorantreiben. Es sind bestimmte Menschen, bestimmte Denk- und Handlungsweisen. Bestimmte Lebensweisen. Sind sie falsch? Sind sie krank? Sind sie entfremdet? Weil sie Leid verursachen? Weil sie die Menschheit an ihr Ende führen?
Es ist ein Drängen und Stürmen. Ein episches Aufbäumen. Derjenigen die das Wollen, diejenigen, die das nicht wollen. Können wir wissen, was richtig, was falsch ist? Wissen wir um die Kräfte, die uns treiben? Was hat uns hierhergeführt? Wir haben nichts getan, was auf diesem Planeten nicht möglich gewesen wäre. Auch alle Gefühle, alle Kräfte, Macht, Geld, Technologien konnten von uns gespürt, erdacht, angestrebt und verachtet werden. All das ist möglich durch uns, mit uns als Menschen.

Wir sind Teil einer alles überwältigenden Kraft auf diesem Planeten. Diese Kraft will sich. Will zu sich kommen. Will. Sie will. Sie WILL. Sie will womöglich NICHTS und ist daher die reinste Kraft. Alles strebt auf sie zu. So wie auf ein Schwarzes Loch. So wie riesige, Schwarze Löcher für viele Phänomene verantwortlich sind, die wir im Weltall beobachten können.

Kräfte, die womöglich auch im unendlich Kleinen wirken. Die saugen, die reißen, die thermodynamisch nichts belassen können. Ein ständiger, reißender Fluss, der sich auch in und durch die Erde schiebt. Ein einziges Reißen. Wüten. Wollen. Dem wir uns hingeben können. In das wir ohnehin einfließen. Ob wir es wollen oder nicht. Kräfte, die alles, was ein einzelner Mensch kann oder will in der Unendlichkeit verschwinden lassen. Geben wir uns diesen Kräften hin. Vollkommen.

Kommen wir an,

bei Gott,

kommen wir an,

i3 Werden.

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