April 26, 2021

Das grosse Beenden Teil I

Am Anfang jeder Zivilisation steht zunächst der Barbar. Die Benennungen kehren sich nun um:
Hat er gesiegt, wird er zum Zivilisierten und bezeichnet die Unterworfenen als Barbaren.

Die Kultur bekämpft alles, was sie bedroht.

Alle Kulturen gründen auf Gewalt.

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier,
„großartige“ Kriegsoperationen unternehmen zu können.
Wie sollte man davor nicht erschrecken?

Dass sich die Menschen immer stärker bekämpfen, liegt daran,
dass eine Wahrheit näher rückt, auf die ihre Gewalt reagiert.

Eine Einigung mit der absolut nicht zähmbaren Logik des Kapitalismus ist nicht möglich.

Die Umweltkontroverse betrifft Positionen, in denen die Handelnden politisch eingebunden sind,
in denen einige alles zu verlieren und andere viel zu gewinnen haben.

Wir müssen anerkennen, dass wir uns im Krieg befinden.


Ein Argument kann ignoriert werden, ein Schlag ins Gesicht nicht.

Zu Beginn drängt es mich, eine Feststellung zu treffen. Die Gesellschaft, in der ich lebe, würde mich, wenn ich danach fragen würde, als einen Mann beschreiben. Ich selbst würde mich als einen Mann beschreiben, wenn ich mich fragen würde. Ein zorniger Mann. Sicherlich auch ein aggressiver Mann. Ein wütender Mann, der erkannt hat, dass es an Zärtlichkeit, Hinwendung und Hilfe in unserer Gesellschaft zunehmend mangelt. Ich spüre zunehmend die Gewalt um mich herum. Nicht nur die Gewalt und Gewaltbereitschaft, die neu entsteht. Auch die Gewalt, die die ganze Zeit schon da war. Die Gewalt von Männern, von Frauen, von Kindern. Hier. Bei uns. In unserer Gesellschaft, in unseren Wohnungen, in unseren Arbeitsplätzen, in unseren Gesetzen, unseren Gedanken und unseren Herzen. In unserem Umgang miteinander.

Ich möchte, dass wir uns nicht mehr wehtun. Ich möchte niemandem mehr wehtun.

Man wird es nie zur Gänze vermeiden können. Aber es macht einen Unterschied, wie willentlich man es tut. Mit welcher Kraft man es tut. Wie oft man es tut. Wem man es antut. Und warum.
Ich denke und spüre, dass wir eine Gesellschaft geschaffen haben, die es dauerhaft tut. Auf hohem Schmerzniveau. Das hat uns abstumpfen lassen, wodurch wir, wenn wir heutzutage in den ach so notwendigen Konkurrenzkampf im Wirtschaftsleben einsteigen, dies auf einem sehr hohen Gewaltniveau tun. Das kostet uns viel Kraft. Sehr viel Kraft. Kraft, die wir für andere Dinge viel nötiger hätten. Für das Helfen. Das Heilen. Das Zuhören und Zärtlichsein.
Dieses ständige gewaltvolle Handeln lässt uns ausbrennen, psychisch und physisch krank werden. Wir müssen damit aufhören. Doch die Wahrheit ist: Dazu müssen wir sehr, sehr ehrlich zu uns sein. Wir müssen uns ganz ehrlich fragen, was wir da tagtäglich eigentlich tun. Warum und mit welchen Konsequenzen? Für wen?

Wir sind nicht gewaltvoll und kriegerisch, weil wir böse sind. Sondern weil wir verletzlich und sterblich sind. Darum drehen sich die folgenden Gedanken, die ich in den letzten Tagen aufgeschrieben habe.
Ich habe darin Zitate verwendet von Menschen, die ich nicht nennen werde. Nicht, weil ich mir diese Gedanken aneignen und als meine ausgeben will. Keiner unserer Gedanken ist stets nur von uns. Wir Denken stets in den Gedankenräumen anderer. Manchmal auch darüber hinaus.
Ich möchte diesen Zitaten, diesen Gedanken einfach ihren Raum geben, ohne dass die Nennung der Autoren weitere Kategorisierungen aufmachen. Ohne, dass ihnen eine besondere Gewichtung zukommt, ohne dass sie eine besondere Wertschätzung oder Abneigung erfahren, weil die Verfasserinnen und Verfasser eine bestimmte Wertschätzung und Geringschätzung erfahren haben.

Dieser Text ist ein Fragment. Ungeschliffen. Mit Redundanzen. Schlecht und falsch gesetzten Satzzeichen. Mit Ungereimtheiten, Widersprüchen, guten und schlechten Passagen. Mit Wut, Zorn, Aggression, Hoffnung, Arroganz, Dummheiten, klugen Gedanken, Schmerz, Hilflosigkeit, Hoffnung und hoffentlich auch Zärtlichkeiten. Auf dass diesem verletzlichen kleinen Text mit Zärtlichkeit begegnet wird. Ich kann es nur hoffen. Alles andere darf, kann und muss ich ebenfalls damit einladen.

Emotionen sind weder gut noch böse. So wie die Wahrheit.

Ganz Mann, ist die persönliche Einsicht hiermit auch schon beendet und es folgt die messerscharfe Analyse des Weltgeschehens in Gänze. Etwas anderes konnte ich zum jetzigen Zeitpunkt (noch nicht) leisten. Man möge zwischen den Zeilen lesen, um mehr über mich zu erfahren.

Verletzlichkeit und Sterblichkeit – Anfang oder Ende?

An vielen Stellen im Netz finden sich momentan Artikel und Texte, die sich mit der Verletzlichkeit des Menschen beschäftigen. Auch der Hinweis auf dessen Sterblichkeit kommt nicht zu kurz – insbesondere in Hinblick auf die drohenden militärischen Konflikte und das Endzeitdrama des Klimawandels. Zum einen wird darauf verwiesen, dass diese Entwicklungen uns auf unser  verletzliches Dasein zurückstufen. Zurück von der weltgestaltenden Über-Spezies.

Zum anderen klingt oftmals an, dass es sich um eine notwendige Einsicht handelt, wenn wir uns unserer Verletzlichkeit und Sterblichkeit wieder stärker bewusst werden. Eine Einsicht, die womöglich eine Umkehr auf dem Pfad der Zerstörung, herbeiführt. Erst ein tieferes Wahrnehmen unserer Schmerzen, unserer Verletzlichkeit und Sterblichkeit würde uns helfen, all dies auch in den andere Menschen und Lebewesen zu erkennen und aus dem daraus resultierenden Mitfühlen und Mitleiden, die Zerstörungen die wir tagtäglich praktizieren nicht ausführen zu können.

Ich sehe allerdings eher eine umgekehrte Entwicklungslinie.

Ja, wir sind im höchsten Grade verletzliche Nacktaffen. Egal welcher Kultur wir entstammen. Egal welchem Geschlecht wir angehören. Ich denke, dass wir uns dieser Einsicht in all ihren Konsequenzen wieder bewusst werden sollten. Ich denke auch, dass wir unsere psychische und physische Verletzlichkeit als menschliche Wesen ins Zentrum all unserer Überlebens-Bemühungen stellen müssen.

Wir sind verletzliche, sterbliche Wesen. Zum Teil sind wir uns bewusst darüber. Der viel größere Teil unseres täglichen Handels wird allerdings auf einer viel tieferen Ebene beeinflusst, einer Ebene, der wir uns kaum bis gar nicht bewusst sind.

Auch wenn sich unser Zugang zu diesen tieferen Ebenen in der Menschheitsgeschichte zu rituellen und psychologischen Praktiken vertieft hat, so ist der größte Anteil immer noch kaum bis gar nicht zugänglich. Hinzu kommt, dass wir dazu neigen, die Weltsicht, die wir uns einmal angeeignet haben auf vielfältigste Art und Weise zu verteidigen. Die Psychologie spricht dabei u.a. von der Vermeidung von kognitiven Dissonanzen. Dies hilft uns auch in der Form von Gruppendenken dabei, sich unserer sozialen Gruppe stärker zugehörig zu fühlen. Auch heute noch ist es für uns von zentraler Bedeutung, unser Überleben durch die Zugehörigkeit zu unserer Ur-Horde sicher zu stellen. Geteilte Werte, geteilte Handlungsweisen und Weltsichten gehören dazu.

Wenn wir uns mit dieser Brille die Weltgeschichte anschauen, können wir zu dem Schluss kommen, dass es immer und stets darum ging, die bewusste, eigene Verletzlichkeit und Sterblichkeit gegenüber anderen Lebewesen sowie dem Wetter und klimatischen Herausforderungen gemeinsam mit der eigenen Gruppe zu schützen bzw. hinauszuzögern. Das Streben nach Sicherheit kam sehr früh in das Leben des Menschen. Somit steht die Bewusstwerdung unserer Verletzlichkeit und Sterblichkeit bereits am Anfang der menschlichen Entwicklungsgeschichte.

Zum Schutz gegen Kälte wurde Kleidung hergestellt. Zum Schutz und für das Sammeln von bzw. Jagen nach Nahrung wurden Werkzeuge und Waffen hergestellt. Aus der Kleidung wurden Zelte, dritte Häute. Aus den Zelten wurden mit der Sesshaftwerdung Hütten und Häuser. Mit der Sesshaftwerdung galt es das eigene Land (den erweiterten, sozialen Körper) zu verteidigen.

Der Schutz um uns herum und um unsere Verletzlichkeit und Sterblichkeit wurde immer größer und immer weiter verstärkt. In Kämpfen und später in Kriegen prallten jene vermeintlich geschützten Menschen aufeinander, auf der Suche nach mehr Nahrung, Macht (welche in vielerlei Hinsicht auch nur eine Schutzfunktion ist, in Teilen mit dem Gefühl verbunden, sogar über dem Tod zu stehen oder zumindest über Leben und Tod von anderen entscheiden zu können) und Sicherheit. Königreiche entstanden. Imperien. Heute weitet die Menschheit als solche Ihren Lebensraum immer weiter aus. Raum und Nahrung für andere Lebensformen werden immer knapper.

Verteidigung, Kampf und Krieg ist von Anfang an tief im Wesen des Menschen verankert – ausgehend aus unserem fundamentalen Schutzbedürfnis. Liebe, Zärtlichkeit und Sorge galt primär zunächst einmal immer der eigenen Gruppe. Für den Zusammenhalt. Für das Fortbestehen. Für den besseren Schutz.
Auch wenn vielleicht zu Beginn die Gefahr, der Schmerz und der Tod des Individuums die Gruppe dazu zwang, sich besser zu organisieren, um weitere Verluste besser zu verkraften oder sogar vermeiden zu können, so brauchte die Gruppe nunmehr ihrerseits das Äußere, die Gefahr, die Bedrohung durch andere Tiere oder menschliche Gruppen, die Abgrenzung von den anderen, um von Bestand zu sein.

Wer sind wir also ohne Bedrohung? Können wir uns zu Gruppen zugehörig fühlen ohne von der Bedrohung und der Abgrenzung von anderen auszugehen?

ENDE Teil I

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